Im Fokus: Hochpreisphasen am Strommarkt
Die Volatilität der Strompreise hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Besonders in Phasen geringer Einspeisung durch erneuerbare Energien, also typischen Dunkelflaute-Phasen, kommt es immer wieder zu extremen Preisspitzen. Solche Preisspitzen werden perspektivisch häufiger auftreten, da der Aufbau neuer, steuerbarer Kapazitäten Zeit braucht. Bis diese Kapazitäten tatsächlich verfügbar sind, bleibt vor allem die energieintensive Industrie besonders belastet.

Einfluss von Preisspitzen auf die Energiekosten von Industrieunternehmen
Industrieunternehmen sind von solchen Dunkelflaute-Tagen besonders betroffen. Ihre Produktionsprozesse lassen sich nicht ohne Weiteres drosseln, wenn der Strompreis steigt. Die folgende Tabelle verdeutlicht den Einfluss solcher Preisspitzen auf die Stromkosten von Industrieunternehmen:
| Erzeugung von 1 t … | MWh/t | Normaler Strompreis (110 €/ MWh) | Preisspitze im betrachteten Zeitraum (310,86 € / MWh) | |
| Rohstahl - Einschmelzen von Schrott (Lichtbogenofen) | 0,3 | 33 € | 93 € | |
| Rohstahl - konventionell (Erdgas/Kohle) | 0,5 | 55 € | 155 € | |
| Rohstahl (grün) - Direktreduktion inkl. H2-Elektrolyse | 1,9 | 209 € | 591 € | |
| Papier | 0,731 | 80 € | 227 € | |
| Aluminium | 15 | 1.650 € | 4.663 € | |
| Silizium für Photovoltaik | 602 | 6.600 € | 18.652 € | |
| Silizium für Halbleiter | 902 | 9.900 € | 27.977 € |
Quellen 1) Papierverband 2) Wacker Chemie
Netzreserve-Kraftwerke als Preisdämpfer
Deutschland hält rund 30 Reservekraftwerke für die Netzstabilität bereit. Das bedeutet unter anderem, dass die Kraftwerksbelegschaft an 365 Tagen voll einsatzfähig vor Ort ist. Ganz unabhängig davon, ob das Kraftwerk angefordert wird oder nicht – und das kostet den Steuerzahler jährlich einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Es erscheint irrational, diese vorhandenen Kapazitäten nicht zu nutzen. Denn sie sind vorhanden, erfordern keine neuen Investitionen und eignen sich als effiziente Brückenlösung, bis neue steuerbare und nachhaltigere Kapazitäten entstanden sind.
693 Mio. Euro
kostete die Vorhaltung aller Reservekraftwerke im Jahr 2024 (BNetzA).
357 Mio. Euro
betrugen die Einsatz-Kosten für die Reservekraftwerke im Jahr 2024 (BNetzA).
Der Vorschlag der Steag Iqony Group im Detail
Häufigkeit und Amplitude von Extrempreisereignissen am Strommarkt nehmen spürbar zu. Steuerbare Kraftwerke, die bei Dunkelflauten oder anderen Knappheitsereignissen unabhängig von Sonne und Wind einspringen könnten, fehlen mit steigender Tendenz. Die Kraftwerksstrategie soll diese Lücke schließen. Allerdings ist die Ausgestaltung noch unklar. Als Steag Iqony Group sind wir mit unserem Kraftwerksprojekt in Bergkamen bereits in Vorleistung gegangen, um die Versorgungssicherheit in Zukunft ebenso zu sichern.
Unser Vorschlag scheint offensichtlich: Die vorhandenen Kraftwerke der sogenannten Netzreserve so einsetzen, dass sie während dieser zunehmenden Extrempreisphasen preisdämpfend wirken können. Wir machen deshalb einen Vorschlag, wie Kraftwerke, die sich in der sogenannten Netzreserve befinden, während dieser zunehmenden Extrempreisphasen so eingesetzt werden können, um preisdämpfend zu wirken.
Einsatz der Reservekraftwerke als Übergangslösung
Der Einsatz der Reservekraftwerke zur Strompreisdämpfung wäre eine Übergangslösung, die für alle Marktteilnehmer temporär befristet und an klare Bedingungen geknüpft wäre. Es geht also um eine Überbrückung, bis neue Anlagen ab Anfang der 2030er Jahre zur Verfügung stehen.
In einem solchen „kleinen Marktbetrieb“ könnten die Kraftwerke zur Preisstabilität beitragen. Wir gehen von einem Preisreduktionspotenzial von bis zu 60 Prozent bei extremen Preisspitzen aus. Der exakte Effekt auf die Stromkosten hängt letztlich an der konkreten Ausgestaltung eines solchen Kleinen Marktbetriebs für Reservekraftwerke. Die Erlöse, die diese Kraftwerke während ihres Preisdämpfungseinsatzes erzielen, müssen mit den Netzbetreibern geteilt werden und wirkten auf diese Weise zusätzlich dämpfend auf die Netzentgelte aus.
Was bedeutet das für den Weg zur Klimaneutralität?
Zwei Dinge sind ganz klar: Der Kleine Marktbetrieb ist kein Ausstieg aus dem Kohleausstieg. Und er steht nicht in Konkurrenz zu anderen Technologien, wie Batteriespeichern oder den Gaskraftwerken, die im Zuge der Kraftwerksstrategie gebaut werden sollen. Auch wir als Steag Iqony Group setzen weiterhin auf Klimaneutralität und Projekte, die uns dorthin bringen, wie zum Beispiel Batteriespeicher und Gaskraftwerke.
Dennoch müssen wir die Zeit überbrücken, bis diese Anlagen in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen und nutzen, was da ist: Reservekraftwerke. Die Betreiber haben die Kraftwerke. Unser Land hat den Bedarf. Jetzt braucht es politischen Mut.
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